Adrenalin: Stresshormon für Notsituationen
Am oberen Ende beider Nieren befindet sich eine pyramidenförmige Nebenniere. Das lateinische «ad» heisst «an», und «ren» bedeutet «Niere». Die beiden Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin werden also «an den Nieren» hergestellt, genauer gesagt im Mark der Nebennieren. Diese innerste Schicht wiegt nur etwa ein halbes Gramm.
In Situationen, die eine Person als stressig erlebt – zum Beispiel bei Aufregung, Gefahr oder Schmerz –, schütten die Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin in den Blutkreislauf aus. Die vier bis fünf Gramm leichten Nebennieren gehören zu den am besten durchbluteten Organen des Körpers.
Die Nebennieren bestehen aus Nervenzellen, die eng mit dem «sympathischen» Nervensystem verbunden sind. Dieses wird bei Gefahr ohne unser Zutun aktiv. Der Gegenspieler des sympathischen Nervensystems ist das parasympathische Nervensystem. Es dominiert in Ruhe und bei Entspannung.
Wie wirkt Adrenalin?
Weite Pupillen, schneller, kräftiger Herzschlag, erhöhter Blutzucker, weite Bronchien: Adrenalin macht den Körper bereit zur Flucht oder zum Kampf – selbst in alltäglichen Auseinandersetzungen.
Leichter Atmen dank Adrenalin
Noradrenalin und Adrenalin entspannen die Bronchialmuskulatur, weiten die Bronchien und erleichtern so das Atmen. Gegen drei Uhr morgens ist der Adrenalinspiegel am niedrigsten. Das ist ein Grund, weshalb Asthmaanfälle typischerweise nachts auftreten. Asthma geht mit eng gestellten Bronchien einher. Nach dem frühmorgendlichen Tief steigt die Konzentration des Stresshormons unter Normalbedingungen rasch an und erreicht gegen neun Uhr ihren Höchststand.
Unter Stress wird Verdauung zur Nebensache
Noradrenalin und Adrenalin sorgen dafür, dass der Körper Energie freisetzt. Gleichzeitig drosseln sie Körperfunktionen, die bei der Flucht oder im Kampf stören könnten – zum Beispiel Darmbewegungen. Denn: Die Stresshormone entspannen die Darmmuskulatur, was die Verdauung verlangsamt oder gar stoppt.
Für Adrenalin wichtig: Baustein Tyrosin
Um Adrenalin herzustellen, benötigt der Körper die Aminosäure Tyrosin. Abgebaut werden Adrenalin und Noradrenalin innert Minuten in der Leber.
Was Adrenalin freisetzt
Auch Sport, Kälte oder zum Beispiel ein Horrorfilm können das sympathische Nervensystem ankurbeln und zur Adrenalinfreisetzung führen. Selbst wenn man nur schon kurz steht statt liegt, steigt der Adrenalinwert im Blut leicht an.

Koffein hat Einfluss auf den Adrenalinspiegel
Sogar koffeinhaltige Getränke erhöhen den Adrenalinspiegel etwas. Je mehr Adrenalin, desto schneller wird der Puls. Bei sehr hohen Koffeinmengen kann es – vor allem in Kombination mit zu wenig Sauerstoff – zu Herzrhythmusstörungen kommen.
Die Dauer macht den Unterschied
Kurzzeitig erhöhte Adrenalinwerte wirken positiv auf das Immunsystem, dauerhaft erhöhte Werte hingegen negativ. Sie machen zum Beispiel anfälliger für Krankheiten und können auch Ängste sowie Schlafstörungen fördern.
Adrenalin rettet Leben
Adrenalin wird stark verdünnt auch als Medikament eingesetzt, zum Beispiel bei einer schweren allergischen Reaktion. Es kann in solchen Fällen lebensrettend sein. Der US-Augenarzt William Bates setzte es 1896 erstmals bei Augenoperationen ein.
Wie wirkt das Hormon Serotonin?
Der Nervenbotenstoff verhilft nicht nur zu einer zufriedenen, gelassenen Stimmung, er spielt auch eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von Geschmäckern, fördert ein soziales Verhalten und vieles mehr.