Faszien: Das Netzwerk, das alles verbindet
Springen, Sprinten, Dehnen – ohne Faszien wäre das unmöglich. Ihr weiches Gewebe durchzieht den ganzen Körper. Sie halten Muskeln und Organe im wahrsten Sinn «in Form» sowie an ihrer Position und ermöglichen durch ihre Kraftübertragung federnde Bewegungen.
Faszien: Ein Informationsnetzwerk
Es gibt mehrere Arten von Faszien: oberflächliche, die unter der Haut liegen. Tiefe, die Muskeln, Knochen und Blutgefässe umhüllen. Viszerale, die Organe umgeben, und meningeale, also solche, die das Gehirn umhüllen. Der Herzbeutel oder das Brustfell beispielsweise zählen ebenfalls zu den Faszien. Dank der Faszien sind Organe und Muskeln in gewissem Umfang elastisch und verschieblich. Schmerzen, Lage des Körpers im Raum, Umgebungstemperatur und weitere Informationen werden in den oberflächlichen Faszien erfasst.
Faszien wiegen 20 Kilogramm
Einer Schätzung zufolge wiegen alle Faszien zusammen beim erwachsenen Menschen rund 20 Kilogramm.

Faszien leiden unter Stress
Jede einzelne Muskelfaser ist von einer Faszie umgeben. Jedes Muskelfaserbündel ist wiederum von einer Faszie umgeben. Und jeden Muskel als Ganzes umgibt ebenfalls eine Faszie. Auch dieses System aus Muskeln und Faszien ist von Nerven und Sinnesrezeptoren durchsetzt. Über das Nervensystem kann sich Stress daher auf die Faszien auswirken.
Faszientraining
Mit Hilfe des Faszientrainings können Faszien wieder geschmeidiger werden. Bewegen, dehnen, ausrollen und wippen lautet das Motto, um die Faszien beweglicher zu machen. Wichtig ist aber auch, die Ursache der Überlastung zu beseitigen.
Zu weiche oder zu harte Faszien
Im Fasziengewebe gedeihen auch Zellen, die gelartige Substanzen wie Hyaluronsäure produzieren. Diese Substanzen binden viel Wasser und fördern so die Gleitfähigkeit des Gewebes. Bei vielen Erkrankungen verändern oder verhärten Faszien, etwa bei der Lungenkrankheit COPD, beim Tennis-Ellbogen, bei der schmerzhaften Fibromyalgie oder auch bei Diabetes. Leistenbrüche dagegen entstehen, wenn die Faszien zu weich sind oder dem Druck nicht mehr standhalten können und nachgeben.
Entdeckerin der Faszien
Obwohl Faszien so wichtig sind, führten sie in der Medizin lange ein Schattendasein. 1983 beschrieben die ehemalige Leibärztin des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy und ein Kollege erstmals das «myofasziale Schmerzsyndrom» – eine heute anerkannte Erklärung für viele chronische Muskelschmerzen.
Warum Faszien «verkleben»
Fehlhaltung, Überbelastung, Verletzungen, Entzündungen, stereotype oder falsche Bewegungsabläufe können bewirken, dass Faszien miteinander «verkleben». Dann büssen sie ihre Geschmeidigkeit ein und werden steifer. Der Grund dafür ist vermutlich eine Minderdurchblutung und damit eine geringere Versorgung mit Sauerstoff sowie Nährstoffen. Dazu kommt es, wenn Muskelpartien in ständiger Anspannung sind.