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07. September 2021

Die Medizin der Zukunft

Die Medizin der Zukunft

Werden wir zukünftig von Robotern betreut? Erhalten wir massgeschneiderte Hüftprothesen? Und für welche Aufgaben braucht es noch Ärzte? Die Zukunft hat längst begonnen.

«Was ist das für ein Hautausschlag?» Wer mit dieser Frage in eine der 24 MedbaseApotheken geht, die den HautCheck anbieten, erlebt «hautnah», wie interprofessionelle Betreuung heute funktioniert. Für die teledermatologische Beratung übermittelt die Apothekerin ein Foto des Ausschlags zusammen mit den nötigen Informationen datenschutzkonform an ein Team von über 130 Hautärzten. Maximal 48 Stunden später erhält die Kundin via Apotheke einen fachärztlichen Rat und – wenn nötig – auch gleich das passende Medikament. Zeitbedarf: maximal zehn Minuten. «In der Grundversorgung braucht es mehr interprofessionelle Teams», sagt Marcel Napierala, CEO von Medbase.

Ein Beispiel für die interprofessionelle Behandlung sind auch «Advanced Nurse Practitioners» (ANP). Diese speziell ausgebildeten Pflegefachkräfte nehmen den Ärzten bestimmte Aufgaben ab und halten ihnen so den Rücken frei für komplexe Erkrankungsfälle. ANPs betreuen beispielsweise Menschen mit Diabetes, versorgen kleine Notfälle oder übernehmen andere, spezialisierte Aufgaben.

Mehr Zeit für den Patienten
Bei Medbase Winterthur Neuwiesen habe sich diese Arbeitsteilung – immer unter Supervision eines Arztes – bewährt. Insbesondere ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen würden davon profitieren, weil die ANPs meist mehr Zeit für die Konsultation einplanen könnten als Ärzte. «Die Patienten schätzen das», sagt Napierala.

Im Berner Oberland wird ein weiteres interprofessionelles Modell erprobt. Dort untersuchen Physiotherapeuten mit einem Masterabschluss alle Patienten mit Schmerzen am Bewegungsapparat, noch bevor der Arzt sie sieht. Ideal sei «ein multidisziplinäres Team, das den Patienten betreut», ist Marcel Napierala überzeugt. «Dahin sollten wir kommen.»

Denn bald schon werden hierzulande über 20 000 Pflegekräfte in Alters- und Pflegeheimen und bei der Spitex fehlen. Zudem ist rund die Hälfte der praktizierenden Hausärzte in zehn Jahren in Rente. «Da wandelt sich viel», sagt Napierala.

Corona hat die Entwicklung beschleunigt
Zum Wandel hat auch Corona beigetragen: Selbsttests, um eine Infektion mit Sars- CoV-2 zu erkennen, gehören inzwischen zum Alltag. Videokonsultationen mit dem Psychotherapeuten wurden während des Lockdowns zur Routine. Die Telemedizin hat einen kräftigen Schub erhalten. Lag der Fokus bisher auf dem Behandeln von Krankheiten, wird er künftig verstärkt auf «Disease Interception» liegen, auf Deutsch etwa «Krankheiten aufhalten».

Aufhalten statt reparieren
Eine wichtige Rolle dabei spielen das Self- Tracking, das Monitoring durch Fachleute und das Selbstmanagement: Herzrhythmus, Fitness, Blutdruck, Lebensgewohnheiten – immer mehr Daten sollen helfen, jene feinen Anzeichen zu erkennen, die chronischen Krankheiten meist Jahre vorausgehen. Das Ziel: rechtzeitig gegensteuern, damit sie gar nie ausbrechen.

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch
Weil kein Mensch die Datenflut bewältigen kann, wird auch in der Medizin immer öfter «künstliche Intelligenz» zum Einsatz kommen, also Computer, die in all den Daten Zusammenhänge finden und stetig dazulernen. Die besten von ihnen können jetzt schon auf MRI- oder Ultraschallbildern bestimmte Tumoren mindestens so gut erkennen wie erfahrene Ärzte. «Die künstliche Intelligenz wird kommen. Aber es wird noch einen Moment dauern», sagt Marcel Napierala.

Symptomchecker für die «Bobologie»
Bei der «Bobologie», also leichten Beschwerden wie einem Schnupfen, kann jetzt schon ein automatisierter Symptomchecker helfen. «Im Notfall kommen Apps aber schnell an ihre Grenzen. Die Untersuchung beim Arzt werden sie nie ersetzen können», ist Napierala überzeugt. «Wenn wir die neuen Hilfsmittel aber gut einsetzen, wird die Beziehung zwischen Therapeut und Patient gestärkt.»

Quellen für die Seite:
BMC Medicine; Jama; J Am Acad Dermatol;
Computers in Human Behaviour; Drug Discovery
Today; Healthcare Computing; Monitor Versorgungsforschung
2019; Nature / Scientific
Reports; Pharmazeutische Zeitung; Sanitas Health
Forecast; Universität Zürich

(Text: Dr. med. Martina Frei)

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