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26. Oktober 2021

Eiskalte Erfrischung

Eiskalte Erfrischung

Es ist kalt, nass und inzwischen bei Jung wie Alt beliebt: das Winterschwimmen. Für wen sich diese kühle Aktivität eignet und was dabei zu beachten ist, erklärt Dr. med. Brigitte Stigler im Interview.

Im Winter draussen auf Schwimmende zu treffen, ist keine Seltenheit mehr. Was halten Sie von diesem Trend?

Viele reizt es, in der Kälte ihre Grenzen auszuloten – sei es körperlich oder mental. Wie oft bei Trends muss man aber genau schauen, für wen dieser geeignet ist. Keinesfalls sollte man Winterschwimmen ausprobieren, ohne gut informiert und vorbereitet zu sein. Es darf auch nicht als Wettkampf betrieben werden.

Ist Winterschwimmen gesund?

In der Literatur finden sich Hinweise, dass es sich möglicherweise positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Es könnte etwa einen blutdrucksenkenden Effekt haben. Zudem kann es im psychischen Bereich antidepressiv wirken sowie das Immunsystem stärken und dadurch Infekten vorbeugen.

Was geschieht im Körper, wenn man ins kalte Wasser steigt?

Die Hauttemperatur sinkt. Durch die Kälte verengen sich die oberflächlichen Blutgefässe, und die Organe werden besser durchblutet. Zusätzlich schüttet der Körper Adrenalin aus, wodurch sowohl der Puls als auch der Blutdruck ansteigen.

Wie geht ein Neuling das Vorhaben Winterschwimmen am besten an?

Wer gesund ist, kann Winterschwimmen unter Beachtung einiger Grundregeln ausprobieren. Wer Vorerkrankungen hat, muss zuerst Rücksprache mit dem Hausarzt halten. Es ist in jedem Fall ratsam, sich langsam an die Kälte zu gewöhnen. Man kann etwa mit täglichen kalten Duschen beginnen. Aus Sicherheitsgründen ist es empfehlenswert, nicht allein ins kalte Wasser zu gehen. Wenn man sich Gruppen anschliesst, die sich regelmässig zum Winterschwimmen treffen, kann man von der Erfahrung der anderen profitieren. Als Neuling sollte man sich vom tiefen Wasser fernhalten und eine Stelle suchen, an der man problemlos stehen kann. Nach dem Schwimmen ist es wichtig, sich schnell abzutrocknen und warme Kleidung anzuziehen.

Gibt es eine zeitliche Empfehlung für den Aufenthalt im Wasser?

Die Faustregel lautet: maximal so viele Minuten im Wasser bleiben wie die Wassertemperatur Grad Celsius anzeigt. Bei Unwohlsein oder Zittern sollte man das Wasser sofort verlassen.

Wem empfehlen Sie das Winterschwimmen, wem raten Sie davon ab?

Winterschwimmen ist nicht für jeden geeignet. Wer es ausprobieren möchte, sollte weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch an Kälteasthma oder Kälteallergien leiden.

Wie riskant ist das Baden im kalten Wasser?

Die Kälte kann beispielsweise Krämpfe auslösen. Zudem können trotz aller Vorsichtsmassnahmen Herz-Kreislauf-Probleme auftreten. Deshalb sollte man immer mindestens zu zweit ins Wasser gehen.

Besteht auch die Gefahr einer Unterkühlung? Wie macht sich diese bemerkbar?

Bei einer Unterkühlung sinkt die Körperkerntemperatur unter 35 °C. Die Blutgefässe der Extremitäten verengen sich. Ein Blutaustausch der Arme und Beine mit dem Körperkern findet kaum noch statt, und es kommt zu Muskelzittern. Danach trübt sich das Bewusstsein. Bei schweren Verläufen kann es bis zum Bewusstseinsverlust oder sogar zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommen.

Gibt es spezielle Tipps für «Gfrörli»?

Wer zum Frieren neigt, sollte sich schon ab Herbst zuhause mit kalten Duschen oder Bädern vorbereiten. Beim Winterschwimmen lassen sich Kopf, Hände und Füsse mit einer Neoprenkappe sowie Neoprenhandschuhen und -socken schützen. Alkohol zum Aufwärmen zu trinken, ist hingegen gefährlich.

Wim Hof, auch bekannt als «The Iceman», hat eine eigene Methode entwickelt. Was halten Sie davon?

Wim Hof ist Extremsportler und hält Rekorde im Winterschwimmen. Durch intensives Training hat er seinen Körper an Extrembedingungen gewöhnt. Bei der nach ihm benannten Atemtechnik handelt es sich um eine Folge schneller und tiefer Atemzüge, die zu einer beabsichtigten Hyperventilation führt. Allen Ungeübten rate ich von dieser Methode ab. Prinzipiell sollte man weder extrem schnell noch extrem tief atmen, sondern möglichst ruhig weiteratmen.

(Text: Dr. med. Brigitte Stigler, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Sportmedizin SEMS, Stv. Leiterin Medizin Medbase Winterthur WIN4)

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