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25. August 2021

Hoch hinaus oder tief hinunter?

Hoch hinaus oder tief hinunter?

Im Sommer zieht es viele Berggänger auf die Gipfel, und Taucher erkunden die Unterwasserwelten. Doch grosse Höhen und Tiefen sind für den Körper eine Herausforderung. Warum dies so ist und wie Sie Komplikationen vorbeugen können, weiss Bergsteigerin und Tauchlehrerin Alexandra Kronenberg, die sich als Sportärztin auf Gebirgs- und Tauchmedizin spezialisiert hat.

Wie wirken sich die Druckverhältnisse in grossen Höhen und Tiefen auf den Körper aus?

Der Druck, der auf den menschlichen Körper einwirkt, nennt sich Umgebungsdruck. Auf Meereshöhe herrscht rund 1 bar Umgebungsdruck. Mit zunehmender Höhe sinkt dieser Druck stetig, und in der Tiefe beim Tauchen steigt er entsprechend. Auch das Luftvolumen ändert sich mit unterschiedlichen Druckverhältnissen. Dies hat Auswirkungen auf den Körper – aber mit entsprechenden Vorkehrungen steht einem Tauch- oder Wandervergnügen nichts im Wege.

Ab welcher Höhe droht die Höhenkrankheit?

Die Ursache für die Höhenkrankheit liegt hauptsächlich darin, dass der Körper Sauerstoff in grosser Höhe weniger gut aufnimmt. Ob und wann jemand höhenkrank wird, hängt aber von vielen verschiedenen Faktoren ab, etwa vom allgemeinen Gesundheitszustand, Alter, Geschlecht und Fitnesslevel. Es sind noch nicht alle Einflüsse erforscht, und die individuellen körperlichen Reaktionen können nicht klar vorausgesagt werden. Einige Menschen entwickeln bereits ab 2500 m ü. M. erste Symptome, andere erst ab über 4000 m ü. M.

Wie reagiert der Körper in der Höhe?

Auf dem Mount Everest – mit 8848 m ü. M. der höchste Punkt der Erde – beträgt der Umgebungsdruck nur 0,32 bar; auf dem höchsten Gipfel der Alpen, dem Mont Blanc mit 4810 m ü. M., sind es 0,55 bar. Ein tiefer Umgebungsdruck bewirkt, dass im Blut weniger Sauerstoff gelöst wird. Die Atemfrequenz steigt und die Leistungsfähigkeit reduziert sich. Auch die trockene Luft und die Kälte können dem Körper zusetzen. Unter diesen Bedingungen verbraucht der Organismus mehr Flüssigkeit. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist deshalb sehr wichtig. Da das Immunsystem in grossen Höhen stärker beansprucht wird, können harmlose
Infekte verzögert abheilen oder sich verschlimmern.

Was sind die Symptome und wie  schützt man sich?

Eine akute Bergkrankheit äussert sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust und Schlafstörungen. Die Symptomatik kann sich verschlechtern und zu einem Höhenhirnödem und/oder Höhenlungenödem und sogar zum Tod führen. Die beste Prophylaxe gegen die Höhenkrankheit sind eine langsame Akklimatisation an die Höhe, das Vermeiden von übertriebenem Ehrgeiz und ein unverzüglicher Abstieg (mindestens 1000 Höhenmeter), falls Symptome auftreten.

Welche Körperreaktionen sind in der Tiefe zu beobachten?

Da ist es genau umgekehrt, in 30 m Tiefe beispielsweise herrscht ein hoher Umgebungsdruck von 4 bar. Wenn der Umgebungsdruck steigt, nimmt der Körper mehr Stickstoff und Sauerstoff aus der Atemluft auf. Der im Blut und im Gewebe gelöste Stickstoff geht beim Auftauchen wieder in Gasform über. Deshalb muss man ab einer gewissen Tauchdauer und -tiefe zwingend Dekompressionsstopps einlegen, in denen der Körper Zeit hat, das Gas abzuatmen. Sonst kann es im Gewebe ausperlen und Schaden anrichten. Das wird als Dekompressionskrankheit bezeichnet.

Schadet denn die erhöhte Aufnahme von Stickstoff und Sauerstoff?

Ja. Der erhöhte Umgebungsdruck führt dazu, dass der Sauerstoff in der Atemluft toxisch wirkt und epileptische Krampfanfälle auslösen kann. Dies betrifft aber in der Regel nicht das Sporttauchen bis 40 m Tiefe, sondern vor allem das technische Tauchen in tieferen Gewässern, bei dem deshalb ein anderes Gasgemisch als normale Luft verwendet wird. Je tiefer man taucht, desto mehr steigt auch die Gefahr eines Tiefenrauschs, der durch den erhöhten Stickstoffpartialdruck im Blut ausgelöst wird. Ein Tiefenrausch macht sich durch Orientierungsverlust, eingeschränktes Denk- und Handlungsvermögen, Euphorie und Halluzinationen bemerkbar. Sobald erste Symptome auftreten, muss kontrolliert aufgetaucht werden, dann verschwinden diese wieder.

Was gilt es beim Tauchen besonders zu beachten?

Wichtig sind eine fundierte Ausbildung, eine gut funktionierende und regelmässig gewartete Ausrüstung sowie das Respektieren des eigenen Ausbildungs- und Erfahrungslevels. Zudem sollte man mindestens zwei Stunden vor dem Tauchgang keinen Sport treiben. Nach dem Tauchen darf der Kreislauf während 24 Stunden nicht stark belastet werden, um das Risiko für die Dekompressionskrankheit gering zu halten. Vor und nach dem Tauchen muss zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit nicht alkoholischen Getränken geachtet werden. Dehydrierung ist eine der Hauptursachen für die Dekompressionskrankheit. Fliegen ist frühestens 24 Stunden nach dem letzten Tauchgang erlaubt. Bei sehr tiefen oder vielen wiederholten Tauchgängen werden 48 Stunden Wartezeit empfohlen.

(Text: Dr. med. Alexandra Kronenberg)

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