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09. Dezember 2021

Leben ohne Zucker? Einfacher als gedacht!

Leben ohne Zucker? Einfacher als gedacht!

Früher wurde Zucker zur Beruhigung der Bevölkerung eingesetzt. Heute konsumieren wir ihn in Mengen, die depressiv machen können. Welche Ernährung tut der Psyche gut und wie kann man den Zuckerkonsum reduzieren?

Eine Woche zuckerfrei: Tagebuch einer Entwöhnung
 

Montag
Wochenlang stand die Guetzli-Packung unbeachtet in der Küche herum. Jetzt höre ich diese Guetzli förmlich rufen. Während ich meiner Arbeit nachgehe, leidet meine Konzentration, weil ich immerzu an die Guetzli denken muss. Dann esse ich halt ein paar kleine Partybrezeln. Aber auf der Zutatenliste steht «Gerstenmalzextrakt», also eine Form von Zucker. Über 50 verschiedene Bezeichnungen gibt es für süssende Zutaten. «Ketchup, Fertigpizza, selbst als gesund geltende Riegel – das enthält alles Zucker. Er wird auch wegen seiner geschmacksverstärkenden Wirkung beigefügt», erläutert Billie Josephine Stump, Ernährungsberaterin und Sportwissenschaftlerin am Medbase Checkup Center Zürich. Auch mit Begriffen wie Dextrose, Süssmolkenpulver oder Maltodextrin sind verschiedene Zuckerarten gemeint.

Dienstag
Ich fühle mich müder als sonst und bei der Arbeit weniger produktiv. Ob es am fehlenden Zucker liegt? «Die Entzugsphase dauert drei bis vier Tage», prophezeit Billie Josephine Stump. Anstelle der Fertigpizza gibt’s am Mittag Salat mit Nüssen und einem gekochten Ei, denn «Süsshunger kann man gut mit Eiweiss dämpfen», sagt Stump. Reflexartig streue ich wie gewohnt Zucker in die Salatsauce – und fange nochmal von vorn an. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich mit meinem üblichen Salatdressing fast die Hälfte der täglich empfohlenen Menge an «freiem Zucker» esse. Das ist zugesetzter Zucker sowie Zucker in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtkonzentraten. Erwachsene sollten maximal etwa 50 Gramm freien Zucker pro Tag verspeisen, Kinder höchstens 30 Gramm und Knirpse unter zwei Jahren gar keinen. «Am besten wäre es, pro Tag maximal 25 Gramm Zucker zu essen. Das entspricht etwa einer Süssigkeit oder zwei Früchten täglich», rät Stump.

Mittwoch
Morgens gibt’s Quark mit Haferflocken. Langweilig, findet mein Gaumen. «Zuckerist nicht nur eine Darmbelohnung, sondern auch eine Gaumen-, Zungen-, Leber-, Fettgewebe- und Hirnbelohnung», schreibt der Psychiater Gregor Hasler in seinem Buch «Die Darm-Hirn-Connection». Wie wahr. Immerhin spare ich so Kalorien. Fertigmüesli oder Frühstückszerealien enthalten bis zu 35 Gramm Zucker pro 100 Gramm, das entspricht 140 Kilokalorien. Besonders zuckerreich sind oft Produkte extra für Kinder. «Es lohnt sich, die Zutatenliste jeweils genau anzuschauen», empfiehlt die Ernährungsberaterin. «Auch vegane Produkte enthalten teilweise bedenklich viel Zucker.»

Donnerstag
«Bewegen Sie sich», hat mir Billie Josephine Stump geraten. Das beruhige die zuckerhungrigen Nerven. Doch kaum komme ich vom Sporttraining zurück, rufen die Guetzli wieder, diesmal im Chor mit der Schoggi. «Ein kleines Stückchen nur, oder zwei», fleht es in mir, «als Belohnung!» Ich bleibe hart – und finde im Kühlschrank eine Alternative: Mit sechs Gramm Zucker pro 100 Gramm zählen Rüebli zu den süssesten Gemüsearten.

Freitag
Die Sonne scheint, ich bekomme Riesendurst. Jetzt eine Limonade! Ich weiss genau, wie gut sie bei der Hitze schmecken würde. Aber es gibt nur Hahnenwasser und den Trost, dass Gesundheitswissenschaftler vor der Fructose warnen, die vielen Süssgetränken zugesetzt ist.«Viele denken, dass ein Glas Orangensaft gut ist. Aber es enthält dieselbe Zuckermenge wie fünf Orangen», gibt Billie Josephine Stump zu bedenken. Im Durchschnitt trinkt jeder Mensch in der Schweiz etwa 22 Liter Fruchtsaft pro Jahr.

Samstag
Juhu, ich habe ein wenig abgenommen! Obwohl ich – ausser zuckerfrei – nicht anders gelebt habe als sonst. Auch die Müdigkeit, die mich in den ersten drei, vier Tagen begleitet hat, ist verschwunden. Ich bin wieder so produktiv wie gewohnt.

Sonntag
Mein Verlangen nach Guetzli, Schoggi & Co hat deutlich nachgelassen. Trotzdem nasche ich heute eine getrocknete Dattel. Und dann noch eine. Zuckergehalt: 65 Gramm auf 100 Gramm Gewicht. Das ist viel, aber weniger als in vielen Süssigkeiten: 100 Gramm Gummibärchen beispielsweise enthalten rund 75 Gramm Zucker.

 


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(Text: Dr. med. Martina Frei)

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