17. März 2020

Bauchfett: ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Bauchfett: ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Ein üppiger Leibesumfang stört viele aus ästhetischen Gründen. Studien zeigen aber, dass die Bauchlage des Fettgewebes problematischer ist für die Gesundheit als angenommen.

Bis anhin galt der Body-Mass-Index als Entscheidungsgrundlage dafür, ob jemand übergewichtig ist und mit negativen Auswirkungen auf seine Gesundheit rechnen muss. Studien zeigten jedoch, dass selbst bei normalgewichtigen Personen Fettdepots am Bauch ein schlechteres Herz-Kreislauf- und Stoffwechselprofil zur Folge hatten. Das heisst, mehr noch als die Menge ist das Verteilungsmuster des Fettgewebes problematisch.

Warum ist Fettgewebe am Bauch besonders schädlich?
Fett direkt unter der Haut, sogenanntes subkutanes Fett, ist ein guter Wärmeisolatorund Energiespeicher, gesundheitlichaber weniger gefährlich. Vor allem eindicker, harter Bauch bedeutet, dass sich im Bauchraum um die Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz und Nieren Fettgewebe (viszerales Fett) befindet. Dieses Fett ist biologisch aktiv und produziert entzündungsfördernde Substanzen, die Zytokine genannt werden. Dadurch, dass das Fett tief im Bauchraum liegt, gelangen diese entzündungsfördernden Stoffe direkt in den Blutkreislauf und das Herz. Die Leber, die Bauchspeicheldrüse und andere innere Organe werden zu vielen Fettsäuren ausgesetzt. Dies wirkt sich negativ auf die Insulinsensitivität, den arteriellen Blutdruck und die Blutgerinnung aus. Mit anderen Worten: Ein dicker, praller Bauch ist ein Risikofaktor für Diabetes, Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle.

Ursache
Faktoren, die einen grossen Taillenumfang respektive einen prallen Bauch begünstigen, sind: Konsum von schnell verfügbaren Kohlenhydraten und Alkohol, Rauchen, Stress (Ausschüttung des Stresshormons Cortisol) und Bewegungsmangel. Zudem sind Männer und Frauen nach den Wechseljahren häufiger von Bauchfett betroffen. Ein grosser Bauch kann aber auch auf einen gestörten Fett- und/oder Zuckerhaushalt hinweisen. Bei einer raschen und starken Zunahme des Bauchumfangs ist ein Arztbesuch in jedem Fall gerechtfertigt. Davon abgesehen ist es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die Kalorienzufuhr zu verringern und durch mehr Bewegung den Kalorienbedarf zu erhöhen.

Tipp
Die Fettverbrennung ist nüchtern wirksamer. Darum ist es ratsam, vor dem Frühstück Sport zu treiben oder nach dem Sport zwei Stunden aufs Essen zu verzichten.

Bauchumfang messen
Um den Bauchumfang zu messen, genügt ein Massband. Aber aufgepasst: Der Bauch wird oft zu weit unten vermessen. Ausschlaggebend ist der Taillenumfang. Legen Sie das Massband zwischen letzter Rippe und Hüftkamm an, also etwa einen Fingerbreit über dem Bauchnabel. Folgende Grenzwerte sollten der Gesundheit zuliebe nicht überschritten werden: 80 bis 88 cm für Frauen und 94 bis 102 cm für Männer. Der sogenannte Ashwell-Index ist individueller, da er die Körpergrösse mit berücksichtigt. Gemäss diesem sollte der Taillenumfang nicht mehr als die Hälfte der Körpergrösse ausmachen.

Krankmachendes Fett?
Körperfett – einst nützliche Überlebensstrategie, um in kargen Zeiten Energie von Fettzellen zu gewinnen – ist mit dem heutigen Lebensstil obsolet geworden. Als Folge von Bewegungsmangel und einem Überangebot an Essen legen wir unnötige Fettreserven an. Frauen neigen aus hormonellen Gründen dazu, am Gesäss, an den Oberschenkeln und an der Hüfte zuzulegen. Bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren lagert sich das «Depot» hingegen häufiger am Bauch an, was besonders ungesund ist.

Autorin
Dominique Judith Rémym Dipl. Ernährungsberaterin HF SVDE Medbase Oerlikon, Kloten, Winterthur Neuwiesen/Obertor

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