30. Mai 2022

Die Schattenseiten der Sonne

Die Schattenseiten der Sonne

Sonne und Wärme empfinden wir als angenehm. Dabei geht schnell die Gefahr vergessen, die von den Sonnenstrahlen ausgeht. Dr. med. Brigitte Kalbacher erklärt, wie man bei Sonnenbrand richtig reagiert und weshalb es bereits in jungen Jahren wichtig ist, sich zu schützen.

Kann sich die Haut an die Sonne gewöhnen oder ist das ein Mythos?

Zu starke und zu lange UV-Strahlung kann die Haut schädigen. Sie sollten sich deshalb immer entsprechend schützen. Gewöhnen Sie die Haut im Frühjahr auf alle Fälle durch anfangs kurze Aufenthalte im Freien an die Sonne. Der UV-Index, der inzwischen tagesaktuell im Internet abrufbar ist, gibt Orientierung, wie stark die Strahlung ist. Im März und April können durch die Luftströmung kleinere Ozonlöcher entstehen, die zu sommerlichen UV-Werten führen. Daher lohnt sich ein Blick auf den Index. Insbesondere über die Mittagszeit sollten wir grundsätzlich den Schatten aufsuchen.


Was genau ist ein Sonnenbrand und wie entsteht er?

Sonnenbrand (Dermatitis solaris) ist eine akute Entzündung der Haut, die durch zu viel UV-Strahlung (insbesondere UV-B-Strahlung) verursacht wird. Die Schäden betreffen in erster Linie die Oberhaut, aber auch in der darunter liegenden Schicht, der Dermis, kann es zu Entzündungen kommen. Das führt zu Rötungen, Schwellungen, Juckreiz oder Schmerzen bis hin zur Blasenbildung. Da die Haut von Kindern viel empfindlicher ist als die von Erwachsenen, bekommen Kinder besonders schnell einen Sonnenbrand.


Sollte man bei einem Sonnenbrand zum Arzt oder zur Ärztin?

Wenn zusätzliche Beschwerden wie Schwindel, starke Kopfschmerzen, Fieber oder Blasen auftreten, ist es sinnvoll, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen.


Die Haut ist gerötet und fühlt sich heiss an: Was kann man tun?

Raus aus der Sonne und kühlen. Am besten verwenden Sie kaltes Leitungswasser oder machen Umschläge mit einem sauberen, nassen Tuch. Auch kühlende Lotionen oder Gels können Linderung verschaffen. Beispielsweise spendet Aloe-vera-Gel Feuchtigkeit und hat einen kühlenden Effekt. Ausserdem sollten Sie ausreichend trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch die entzündete Haut wieder auszugleichen.


Ein starker Sonnenbrand kann sich auf die Nachtruhe auswirken. Was verhilft zu einem erholsamen Schlaf trotz Sonnenbrand?

Pyjamas und Bettwäsche aus möglichst weichen Materialien sowie eine niedrige Zimmertemperatur können weiteren Hautirritationen durch Schwitzen vorbeugen. In der Frühphase können auch Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure und andere entzündungshemmende Mittel (Schmerzmittel) oder ein kortisonhaltiges Präparat zur äusseren Anwendung eingesetzt werden.


Anders als beim Sonnenbrand handelt es sich bei der «Sonnenallergie» um eine Erkrankung. Wie äussert sie sich?

In der Umgangssprache werden Hautreaktionen nach Kontakt mit Sonnenstrahlen als Sonnenallergie bezeichnet. Meist verbirgt sich dahinter aber eine andere Erkrankung. Die weitaus häufigste Form der sonnenbedingten Hautreaktion ist die polymorphe Lichtdermatose. Für diese Reaktion ist die ungewohnt hohe UV-A-Strahlung, vor allem im Frühling, verantwortlich. Beschwerden treten innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach intensiver Sonnenbestrahlung auf. Dabei sind nur die sonnenexponierten Körperstellen betroffen wie etwa Dekolleté, Schultern und Nacken. Die Symptome sind verschiedenartig – daher der Name polymorph. Am häufigsten treten Juckreiz, fleckige Rötungen, Bläschen, Knötchen und Schwellungen der Haut auf.


Was versteht man unter der «Mallorca-Akne»?

Die Mallorca-Akne entsteht durch Sonneneinstrahlung (UV-A-Strahlung) in Kombination mit fetthaltigen Pflegeprodukten wie Sonnencreme. Dies löst eine phototoxische Reaktion in den Follikeln aus. Anzeichen sind kleine, juckende Knötchen. Diese treten vor allem am Hals, auf der Brust und am Rücken auf. Die Mallorca-Akne zeigt sich meist wenige Stunden bis einige Tage nach dem ersten ergiebigen Sonnenbad des Jahres. Die klassische Erkrankung der ersten Ferienwoche im Süden – sei es auf Mallorca, auf Rhodos oder Sizilien. Betroffen sind vor allem Menschen, die zu einer fettigen Haut neigen. Hier eignen sich fett- beziehungsweise emulgatorfreie Sonnenschutzmittel mit hohem UV-A-Schutz und Antioxidantien als Prophylaxe.


«Die Haut vergisst nie»: Was hat es damit auf sich?

Auch wenn es oberflächlich so aussieht, als hätte sich die Haut nach einem Sonnenbrand erholt, bleibt der Schaden auf Zellebene unwiderruflich. Die UV-Strahlen schädigen die Erbinformation – die DNA – in der Haut. Diese Schäden kann die Haut nur teilweise reparieren. Es bleiben kranke Hautzellen zurück. Dies gilt insbesondere für Kinder. Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen das Risiko für einen späteren Hautkrebs um das Zwei- bis Dreifache.


Was ist ein Sonnenstich?

Einen Sonnenstich nennt man in der Fachsprache Hitzeerschöpfung. Man unterscheidet drei Stufen von körperlicher Beeinträchtigung wegen Hitze: Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung (Sonnenstich) und Hitzschlag. Sie treten ein, wenn sich der Körper durch Schwitzen allein nicht mehr genügend abkühlt. Bei einem Sonnenstich werden die Hirnhäute und das Gehirn durch die übermässige Sonneneinstrahlung auf den Kopf gereizt. Typische Symptome sind ein hochroter Kopf, begleitet von Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und teilweise Übelkeit.

( Dr. med. Brigitte Kalbacher)

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